Von schwarz zu weiß: Hochzeiten im Wandel der Zeit

Auch wenn der Trend zur Heirat in weiß schon im 17. Jahrhundert aufkam, so dauerte es noch über 300 Jahre bis dies zum Standard wurde. Foto: gladiusstock

Nichts wird so stark mit einer Hochzeit assoziiert, wie die Braut in ihrem weißen Kleid. Selbst bei etwas bescheideneren Vermählungen im kleinen Kreis wird Wert auf die entsprechende Kleidung gelegt und eher an anderer Stelle gespart. Bräute, die zu anderen Kleiderfarben greifen, gelten noch immer als Exoten und sind mitnichten die Regel. Doch woher kommt eigentlich die Tradition in weißen, opulenten Kleidern vor den Traualtar zu treten?


Anzeige

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war es noch nicht üblich, dass Bräute in weiß heirateten. Dies hatte vor allem finanzielle Gründe, denn auch wenn die Farbe weiß bereits im 18. Jahrhundert für Unschuld und Reinheit stand, so konnten sich nur wenige Bräute ein Kleid leisten, dass ausschließlich am Hochzeitstag getragen wurde. Frühere Bräute griffen daher auf ihr „feines“ Kleid zurück, welches sonst zu den Sonntagsgottesdiensten getragen wurde. Je nach Wohnort trugen viele Bräute auch die jeweilige Regionaltracht, um sich zu vermählen. Auch nach den 1920er Jahren, in denen das weiße Brautkleid zum Standard aufkam, heirateten noch viele Bräute in schwarz, da Voraussetzung zu einer Heirat in weiß die Reinheit und sexuelle Unberührtheit der Braut war. Bräuten, die bereits bei der Hochzeit in fröhlicher Erwartung waren, wurde das Tragen eines weißen Hochzeitskleides daher verwehrt. Dies hielt sich noch bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Auch der Zeitpunkt der Hochzeitsfeier wurde eher pragmatisch festgelegt. Während der Fasten- und Adventszeit fanden keine Hochzeiten statt und auch in den heute beliebten Heiratsmonaten Mai bis August wurde sich nur sehr selten das Ja-Wort gegeben, da in diese Zeit die landwirtschaftliche Hochsaison fiel und somit schlicht die Zeit fehlte. Geheiratet wurde zwischen Herbst und Aschermittwoch. Die staatliche Vermählung ist in Deutschland seit 1874 Pflicht. Wie bis 2009 üblich, durfte die kirchliche Trauung erst im Anschluss stattfinden. In der Zeit zwischen staatlicher und kirchlicher Trauung mussten die Brautpaare gleich drei Mal das Aufgebot bestellen und somit genug Raum für mögliche Einwände lassen.

Während noch im 19. Jahrhundert ungefähr das Dreifache in den Gehrock des Bräutigams investiert wurde, so wuchsen in der nachfolgenden Zeit die Bedeutung und somit auch die Kosten des Brautkleides. Der Trend zum Tragen heller Farben am Hochzeitstag stammt jedoch schon aus dem 17. Jahrhundert. Wie damals üblich wurde der Modegeschmack durch den Adel inspiriert. Die erste Braut in „weiß“ war Maria de´Medici, die Heinrich IV. 1600 das Ja-Wort in einem eierschalenfarbenen Seidenkleid gab. Auch weitere Bräute des Hochadels folgten ihrem Vorbild. Die wohl berühmteste Braut, die bereits 1854 dem heutigen Idealbild entsprach, war Elisabeth von Bayern, besser bekannt als Sissi, die Kaiser Franz Joseph in einem pompösen, weißen Kleid aus Tüll und Spitze ehelichte. Auch heute noch prägen gerade königliche Hochzeiten die Modetrends – so wie Kate Middleton, heutige Herzogin von Cambridge, die mit ihrem Kleid der britischen Modedesignerin Sarah Burton 2011 dafür sorgte, dass dieses weltweit kopiert wurde und die Brautmode der folgenden Jahre stark beeinflusste.

Medienpartner
Anzeigen