Legendäre Liebe trotz List: Der Brautbecher-Brauch

Handgefertigte Brautbecher sind in verschiedenen Materialien erhältlich. Foto: anettpetrich1

Es war einmal ein schönes Ritterfräulein, das sich unsterblich in einen jungen Goldschmied verliebte… – was so beginnt, kann ja nur in dem üblichen „und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage“ abschließen. Doch bevor diese Liebesgeschichte mit einem Happy End gekrönt wurde, musste der Goldschmied sich für seine Angebetete richtig ins Zeug legen, um so ihren Vater, einen einflussreichen Edelmann, von sich zu überzeugen und mit seiner Kunigunde vor den Traualtar zu treten. Ganz nebenbei entstand so auch ein Hochzeitsbrauch, der mit der Zeit fast in Vergessenheit geraten wäre:


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Die Legende der Kunigunde

Obwohl ihr Vater so gar nicht begeistert von der Männerwahl seiner Tochter war und gar ihren Liebsten hat einkerkern lassen, konnte er die Liebe der beiden nicht brechen und sorgte stattdessen mit seiner rigorosen Art sogar dafür, dass Kunigunde vor Liebeskummer krank wurde. Auch die von ihm präferierten standesgemäßen Männer, vermochten ihr Herz nicht zu erwärmen, sodass der Vater versuchte mit einer unlösbar scheinenden Aufgabe, die er dem Goldschmied stellte, die Beziehungswünsche der beiden ein für alle Mal zu beenden. Diese bestand darin einen Becher zu schmieden, aus dem zwei zur gleichen Zeit trinken können, ohne einen Tropfen zu verschütten. Sollte der Goldschmied diese Aufgabe lösen können, würde er als Belohnung die Hand von Kunigunde erhalten.

Natürlich rechnete der Vater mit dem Scheitern des Schmiedes, dessen Ehrgeiz und Einfallsreichtum sollten ihn jedoch eines Besseren belehren. Der verliebte Goldschmied machte sich sogleich an den geforderten Becher und konnte schon nach ein paar Tagen das Ergebnis präsentieren: Einen unteren Becher in Form eines Rockes, auf welchem er den Rumpf seiner Liebe modellierte, der wiederum einen kleinen beweglichen Becher in den Händen hält. So war es für die Liebenden kein Problem gleichzeitig aus dem Becher zu trinken, ohne etwas von dem Inhalt zu verschütten. Der Vater musste schließlich sein gegebenes Wort halten und der Heirat der beiden zustimmen.

Der Brautbecher

Dieser besteht in der Regel aus Zinn oder Silber. Es gibt jedoch auch Modelle aus Kristallglas, Keramik und weiteren Materialien. Der Brautbecher besteht aus zwei verzierten Kelchen, die durch ein Gelenk miteinander verbunden sind, sodass Braut und Bräutigam gleichzeitig aus ihm trinken können. Neben den anderen glückbringenden Bräuchen ist das gemeinsame Trinken aus dem Brautbecher außerdem ein Symbol für Liebe und Treue und somit auch heute noch ein schönes Geschenk an die zukünftigen Eheleute und sicherlich ein Brauch, der ein Comeback verdient hat.

Das Handling

Der Brautbecher wird zum Befüllen nach oben gehalten (der Rock des unteren Bechers zeigt somit mit der Öffnung nach oben). Durch das Gelenk schwingt auch der kleinere Becher in dieser Position mit der Öffnung nach oben, sodass nun beide Becher befüllt werden können und das Brautpaar gemeinsam aus ihnen trinken kann. Traditionell trinkt der Bräutigam aus dem großen, die Braut aus dem kleinen Becher.

Brautbecher sind in diversen Online-Shops ab etwa 70 Euro, je nach Material und Verzierungsgrad, erhältlich.

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