Kaum getraut und schon der erste Krach

Das Hochzeitsauto wird oft durch einen lautstarken Autokorso eskortiert - ein Brauch, der ans Portemonnaie gehen kann. Foto: pincasso
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Während es bei der Trauung selbst sehr ruhig und romantisch zugeht, erwartet das frisch vermählte Paar spätestens auf ihrem Weg zur Feierlocation in der Regel ein Hupkonzert des begleitenden Autokorsos sowie das Klappern von Dosen, welche mit einer Schnur an das Hochzeitsauto gebunden wurden. Doch, geht es hier nur um die akustische Unterstreichung der Euphorie für das Brautpaar, oder hat das Hupen einen tieferen Sinn?


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Auch wenn man eventuell noch nie an einer Hochzeit teilgenommen hat, so kennt man doch das Bild der „Hochzeitskolonne“, die hupend durch die Stadt fährt. Dieser Brauch soll dazu dienen, das Brautpaar schon vom Weiten anzukündigen. An das Auto, in welchem das Brautpaar fährt, werden zusätzlich noch Dosen gehängt, die beim Fahren laut klappern. Dies soll zusätzlich böse Geister vertreiben und die Frischvermählten schützen. Ursprünglich ein südländischer Hochzeitsbrauch, wurde dieser in Deutschland erst durch Einwanderer und ausländische Freunde bekannt und übernommen.

Dieser Brauch wird in manchen Gegenden Deutschlands noch dadurch ergänzt, dass die Hochzeitskolonne auf dem Weg zur Feier angehalten wird und sich erst durch einen „Wegezoll“ freikaufen und die Fahrt fortsetzen kann. Dieser Zoll besteht häufig aus hochprozentigen Alkoholika, welche das Brautpaar vor der Weiterfahrt mit den Anhaltern trinken muss.

Spaß oder Straftat?

Nicht nur bei Hochzeiten, auch bei größeren Fußballturnieren gehören Autokorsos mit entsprechender Hupbegleitung schon zum gängigen Bild. Doch der Gesetzgeber wertet die „Hupkonzerte“ laut §16 StVO (Straßenverkehrs-Ordnung) als Ordnungswidrigkeit, die mit einem entsprechend Bußgeld geahndet wird. Außerorts ist das Hupen nur in zwei Fällen gestattet, nämlich als Überholsignal, oder als Hinweis auf Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer. Innerorts ist das Hupen noch stärker reglementiert. Hier darf lediglich auf Gefahren hingewiesen werden. Jede anderweitige Nutzung der Hupe zieht ein Bußgeld nach sich. Auch die „Hupkonzerte“, die die Autokorsos begleiten, gelten als Ordnungswidrigkeit, für die ein Bußgeld von 10 Euro fällig wird. Da es sich aber gerade nicht um eine Straftat handelt, liegt es im Ermessen der Polizeibeamten, diesen Verstoß zu tadeln- oder auch nicht. Bei Autokorsos, deren Insassen laut hupend ihre Freude über die Vermählung des Brautpaares zum Ausdruck bringen, wird meist ein Auge zugedrückt, sofern der Verkehr oder Anwohner nicht übermäßig gestört werden.

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