Identität, Emanzipation, Kompromiss – Die Namenswahl

Mit der Unterschrift beim Standesamt ist der zuvor gewählte Ehename offiziell gültig. Foto: Pixabay (Public Domain)
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Spätestens bei der Anmeldung der Trauung sollten die zukünftigen Eheleute sich geeinigt haben, welchen Ehenamen sie führen möchten. Traditionell nimmt die Frau den Namen des Ehegatten an, sodass die Frage nach dem Ehenamen vorerst einfach erscheint. Aber symbolisiert die automatisierte Annahme des Nachnamens des Liebsten nicht in gewisser Weise auch die Aufgabe der eigenen Identität? Passt dies überhaupt noch in unser modernes Frauenbild? Und was für Kompromisse können Paare eingehen, die sich nicht gleich auf einen gemeinsamen Namen einigen können?


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Sollte es Unstimmigkeit bei der Namenswahl geben, sollten die Partner nicht versuchen ihren Wunschnamen dem jeweils anderen aufzuzwängen. Hier ist Diplomatie gefordert, um keinen ausweglosen Streit zu provozieren. Partner, die sich bevormundet und unter Druck gesetzt fühlen, reagieren oft stur und beharren umso mehr auf ihrem Standpunkt. Oft hilft das Anlegen einer Liste der zur Wahl stehenden Ehenamen. Bei Sebastian Seibert und Rosa Reichelt wären folgende Namen rechtlich möglich:

  • Beide nehmen seinen Namen an: Sebastian Seibert und Rosa Seibert
  • Beide nehmen ihren Namen an: Sebastian Reichelt und Rosa Reichelt
  • Beide behalten ihren Namen: Sebastian Seibert und Rosa Reichelt
  • Die Frau entscheidet sich für einen Doppelnamen: Sebastian Seibert und Rosa Seibert-Reichelt oder Rosa Reichelt-Seibert
  • Der Mann entscheidet sich für einen Doppelnamen: Sebastian Seibert-Reichelt oder Sebastian Reichelt-Seibert und Rosa Reichelt

Der Doppelname darf nur von einem Ehepartner geführt werden.

Egal, welche Lösung gewählt wird, wichtig ist, dass sich beide Partner damit arrangieren können und sich mit der Wahl wohl fühlen. Schließlich ist der Ehename fester Bestandteil ihres zukünftigen Lebens. Welche Wahl die Partner treffen, hängt auch davon ab, wie wichtig ihnen der Ehename ist. Nimmt sie seinen Namen nach der Hochzeit an, bedeutet das nicht immer die Aufgabe der eigenen Identität und ist auch kein Zeichen von Unterdrückung. Viel mehr sehen viele Frauen darin oft ach die Möglichkeit, sich zu seinem Partner und spätere (wenn noch nicht vorhandene) eigene Familie zu bekennen. Auch moderne Frauen können sich, wenn sie es wünschen, den gängigen Traditionen verpflichten, denn auch das symbolisiert schließlich ihren freien Willen. Vielleicht liegt es aber auch schlicht und ergreifend daran, dass der Zukünftige einfach einen sehr viel wohlklingenderen Namen trägt und man sich so seinem eigenen, vielleicht nicht ganz so klagvollen Namens, entledigen kann. Hier stellt sich dann natürlich auch erst gar nicht die Frage nach einem Doppelnamen. Eventuell ist es auch der Verlobte, der der Namensfrage eher konservativ gegenübersteht. Weiß die Braut das und hängt eventuell nicht allzu sehr an ihrem Mädchennamen, wäre es sicher ein schönes Hochzeitsgeschenk seinen Namen anzunehmen.

Die Einigung auf einen Doppelnamen ist sicherlich ein guter Kompromiss, wenn beide Partner ihren Geburtsnamen weiterführen möchten. Allerdings obliegt dieses Recht nur einem der Partner, sodass beide erneut vor der Entscheidung stehen, wer den Namen des jeweils anderen adaptiert und in welcher Reihenfolge. Häufiger entscheidet sich die Frau für einen Doppelnamen, die Männer holen hier jedoch auf. Für viele Frauen ein Zeichen für Modernität und Wertschätzung ihrer Identität.

Für viele Menschen ist der Name ganz eng mit ihrer Individualität und Identität verknüpft. Eine Rosa Reichelt ist eine andere als eine Rosa Seibert – und wenn auch nur im Kopf. Das eine Heirat zur Aufgabe dieses identitätsstiftenden Merkmals führen soll, erschließt sich für viele einfach nicht. Wenn sich die Verliebten hier einig sind, spricht nichts dagegen, dass jeder seinen Namen behält. Sollten später Kinder die Familie komplettieren, gehen viele Paare sehr pragmatisch vor. Meist gibt derjenige seinen Nachnamen an die Sprösslinge weiter, der für beide wohlklingender ist.

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