Die Brauteltern: Von Kühen, Kosten und Kleidern

Von heutigen Brautpaaren nicht gewünscht - die traditionelle "Aussteuer", die alle Gegenstände für den ersten eigenen Haushalt beinhaltete. Foto: Pixabay (Public Domain)

Von den früheren Aufgaben der Brauteltern hat sich vor allem bis heute in den Köpfen festgesetzt, dass sie für die Kosten der Hochzeit aufkommen. Praktiziert wird dieses gegenwärtig nur noch selten. Meist kommt das Brautpaar selbst für die Feierlichkeiten auf, wobei die finanzielle Unterstützung der Eltern, von beiden Seiten, auch heute noch durchaus üblich ist.

Noch bis zum 20. Jahrhundert war es obligatorisch, dass der zukünftige Bräutigam dem Brautvater einen Antrittsbesuch abstattete, bei welchem er um die Hand der Tochter bat. Dieser fand traditionell sonntags nach dem Kirchgang statt und diente dazu, dass der Brautvater den Schwiegersohn in spe ausführlich prüfen konnte. Wurde der Bittsteller als tauglich befunden, erteilte der Vater der Braut seinen Segen für eine Vermählung. Diese Tradition wird auch heutzutage noch vereinzelt fortgeführt, ist jedoch schon lange nicht mehr die Regel und nicht verpflichtend, sondern eher als Zeichen des Respekts gegenüber dem zukünftigen Schwiegervater zu werten.

Gleiches trifft auf die Übernahme der gesamten Hochzeitskosten zu. Mussten Brauteltern damals noch die finanzielle Hauptlast der Vermählung tragen, so steuern sie heute „nur noch“ Teile, wie den Kauf des Brautkleides oder die Übernahme der Bewirtungskosten, bei. Auch damals schon konnten die Frischgetrauten sich auf eine „Mitgift“ der Brauteltern freuen – damals allerdings noch in tierischer Form. Der Schwiegersohn durfte nach der Vermählung aus dem Bestand des Brautvaters Vieh für den eigenen Hof auswählen. Die besten Pferde und Kühe wurden jedoch vorher aussortiert und blieben auf dem elterlichen Grund.

Auch nachdem Vieh nicht mehr benötigt wurde, hielt sich der Brauch, der Tochter die sogenannte „Aussteuer“ zu stellen. Dies war sogar noch bis ins späte 20. Jahrhundert üblich und wird in vielen Teilen der Welt auch heute noch praktiziert. Die „Aussteuer“ bestand meist aus Haushaltsgütern wie Textilien und Geschirr in hochwertiger Qualität und war im Umfang, je nach finanzieller Lage, so gewählt, dass diese bis ins hohe Alter verwendet werden konnte. Was für heutige Brautpaare ein absolutes No-Go, da die meisten schon lange einen gemeinsamen Haushalt führen, war zu damaliger Zeit eine große Entlastung des jungen Paares.

Auch wenn also heutzutage Hochzeitsfeste nicht mehr mit den Brauteltern stehen und fallen, so wird ihnen selbstverständlich immer noch eine zentrale Rolle zugesprochen, die sich nicht nur über finanzielle Beigaben definiert. Brauteltern agieren heute viel mehr als moralische Stütze der Tochter und werden auch gern in die Hochzeitsvorbereitungen einbezogen.

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