Der Ehevertrag: Romantik oder Rationalität?

Ein Ehevertrag muss nicht zwingend unromantisch sein. Foto: Pixabay (Public Domain)
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Noch vor dem Beginn des Ehelebens an das Aus denken? Und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Himmel voller Geigen hängt und Braut und Bräutigam alles durch die rosarote Brille sehen? Nicht selten vermeiden die Zukünftigen das Gespräch über einen Ehevertrag, gilt er doch als Romantik-Killer schlechthin.


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Nichts desto trotz sollte die Vernunft nicht zu kurz kommen und, obwohl der Ring noch nicht am Finger steckt, ein Anwalt für ein Beratungsgespräch konsultiert werden. Hier wird dann auch schnell klar, dass ein Ehevertrag nichts mit Misstrauen oder Gefühlsverlust zu tun hat, sondern der Absicherung dient und Ausdruck gegenseitigen Respekts ist.

Trotz der hohen Anzahl von etwa 170.000 Scheidungen bei zirka 386.000 Hochzeiten in 2014 ignorieren viele Paare ganz bewusst die (traurige) Realität. Die sonst so sicherheitsbedachten Deutschen scheinen sich keine Gedanken über die Zeit nach den „Schmetterlingen im Bauch“ zu machen, denn nur die wenigsten von ihnen schließen einen Ehevertrag ab. Dabei sollte man in Betracht der aktuellen Scheidungsrate von über 40 Prozent nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch für den geliebten Partner die ungewisse Zukunft absichern.

Kalkül oder Liebesbeweis?

Gerade in der Planungsphase der Hochzeit müssen sich die bald Vermählten über allerlei Sachen den Kopf zerbrechen und vieles organisieren wie Brautkleid, Location, Essen, Flitterwochen, Einladungen, Schuhe, Haare, Sitzordnung, Catering und vieles mehr. Allerdings sind dies alles recht kurzlebige Sachen, die, wenn es um die gemeinsame Zukunft geht, hinten angestellt werden sollten. Auch kann es passieren, dass die Partner sich nicht einig sind, ob ein Ehevertrag nötig ist, oder nicht. Meist sind es die Frauen, die sich für einen aussprechen. Dies ist vor allem darin begründet, dass es immer noch dem „schwachen Geschlecht“ zugeschrieben wird, sich um die Kindererziehung zu kümmern und dafür zeitweilig den Beruf aufzugeben. Sie sind es somit, die bei einer Trennung deutlich schlechter gestellt sind. Der Ehevertrag könnte hier Sicherheit geben, regelt er doch unter anderem die Unterhalts- und Versorgungsansprüche. Generell kann so ziemlich alles per Ehevertrag definiert werden, ausgenommen aller Regelgungen die den eventuellen oder schon vorhandenen Nachwuchs, wie die Fürsorgepflicht und den Kindesunterhalt, betreffen.

Was genau im Ehevertrag geregelt werden soll, sollte mit einem Fachanwalt besprochen werden. Da gerade das Festlegen der Inhalte häufig zum Streitpunkt zwischen den Verliebten wird, empfiehlt es sich, sich zunächst unabhängig voneinander beraten zu lassen und erst im Anschluss die Wünsche zusammenzutragen. Wer Zoff vermeiden möchte, jedoch auf einen Ehevertrag nicht verzichten möchte, sei trotzdem vor dem Abschluss von Standard-Verträgen gewarnt. Hier können die individuellen Inhalte nur bedingt inkludiert sein, was wiederum spätestens beim Scheitern der Ehe, zu enormem Ärger und dem sogenannten Rosenkrieg führen kann. Auch ein selbst geschlossener Vertrag ist keine Alternative. Eheverträge benötigen, um rechtsgültig zu sein, ein Notarsiegel.

Über einen Ehevertrag zu sprechen, muss jedoch nicht nur negative Gefühle hervorrufen. Ganz im Gegenteil könnte dies sogar als romantisches Geschenk gewertet werden, welches von Verantwortungsbewusstsein geprägt ist. Eine Art Liebesbeweis, der währt, auch wenn die Liebe es vielleicht nicht mehr tut.

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