Den Segen der Eltern einholen: Antiquiert oder respektvoll?

Richtig punkten kann der zukünftige Schwiegersohn, wenn er auch den Brauteltern die Frage der Fragen stellt. Foto: biker3 - Fotolia.com

Der Heiratsantrag ist wohl einer der romantischsten und schönsten Momente im Leben zweier Verliebter. Dabei spielt es heutzutage keine Rolle mehr, wer die Frage aller Fragen stellt. Auch das wie uns wer ist nicht entscheidend, obwohl über 60 Prozent aller deutschsprachigen Männer und Frauen der Meinung sind, dass der Heiratsantrag vom Mann ausgehen sollte und immerhin jede zehnte Frau sich einen traditionellen Kniefall wünscht. Konventionen scheinen also auch heutzutage die Wünsche und Vorstellungen der Paare zu beeinflussen, sodass viele sich auf traditionelle Weise verloben. Die Männer stellen dabei immer häufiger jedoch nicht nur ihrer Auserwählten die große Frage, sondern holen sich auch ganz klassisch vorab den obligatorischen Segen der zukünftigen Schwiegereltern ein. Hierbei gibt es jedoch einiges zu beachten, um auch wirklich stilecht um die Hand der Liebsten zu bitten:


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Antiquiertheit trifft Moderne

Noch im letzten Jahrhundert waren Männer auf das Wohlwollen des zukünftigen Schwiegervaters angewiesen, um ihrer Auserwählten die Frage der Fragen zu stellen. Hierbei meldete der Heiratswillige seinen Besuch beim Brautvater am Sonntag zwischen elf und zwölf Uhr an und schmiss sich hierfür ordentlich in Schale. Die Kriterien, die den Vater letztendlich dazu bewegten, seinen Segen zu erteilen, bestanden in erster Linie aus einer detaillierten Befragung und der Prüfung der finanziellen Möglichkeiten. Nur wenn der zukünftige Schwiegersohn in der Lage war, seine Liebste (und folgende Kinder) zu versorgen, stimmte er dem Antrag zu. Auch weitere moralische und charakterliche Wünsche des Brautvaters an seien zukünftigen Schwiegersohn trugen zu der Entscheidung bei. Befand er beides jedoch als nicht gegeben, bzw. unangebracht, so bedeutete dies das Ende der Verbindung der beiden Liebenden, da eine Heirat ohne den Segen des Brautvaters nur unter widrigen Umständen möglich wäre.

Auch wenn moderne Paare heutzutage ihre Zukunft selber bestimmen und die Zustimmung des Brautvaters nicht notwendig ist, so erachten die Bitte um die Hand jedoch viele als Zeichen des Respekts und führen den Brauch auch heute weiter. Natürlich kommt es dabei in der heutigen Zeit nicht nur auf das Wohlwollen des Brautvaters an, sondern auch die Mutter sollte mit der Verbindung einverstanden sein. Da um nichts Geringeres als die Hand der Tochter gebeten wird, sollten die Rahmenbedingungen entsprechend gewählt werden. Auch heute noch empfiehlt sich ein Besuch am Sonntag, wenn auch vielleicht eher zur Kaffeezeit gegen 15-16 Uhr. Der Antragsteller sollte auch heute noch auf stilvolle Bekleidung setzen, wenn auch der Anzug mit Krawatte nicht zwingend notwendig ist. Nicht vergessen werden sollten die Geschenke an die zukünftigen Schwiegereltern. So könnte der Bräutigam in spe Kuchen, eine Flasche Wein für den Vater (oder anderweitige Spirituosen, die er bekanntermaßen mag) und Blumen für die Mutter mitbringen. Sollten die Brauteltern geschieden sein, muss dieser Besuch zwei Mal geplant werden. Da zukünftige Eheleute heutzutage in der Regel schon vor der Verlobung eine längere Beziehung pflegen und somit natürlich auch die Familien keine Unbekannten sind, fällt die traditionelle Befragung des möglichen Schwiegersohns in der Regel aus, sodass der Bräutigam seine Vorzüge nicht extra verbal einstudieren braucht. Allerdings sollte er sich für seinen Antrag vorher überlegen, was er an seiner Partnerin schätzt und dieses auch gegenüber ihren Eltern anführen und klarmachen, dass man sich ein gemeinsames Leben mit ihr wünscht, bevor man dann ganz klassisch um die Hand bittet. Die meisten Eltern werden beeindruckt und gerührt sein von dem respekt- und stilvollen Antrag und geben sicherlich gern ihren Segen für die bevorstehende Hochzeit.

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