Das lange Osterwochenende: Perfekt zum Heiraten?

Eine kirchliche Hochzeit in der Karwoche ist nicht umsetzbar. Foto: Anneke

Ein buntes, blühendes Osterfest mit hoffentlich viel Sonnenschein, frühlingshaften Temperaturen und Zeit für die Lieben eignet sich nicht nur dazu, die Seele etwas baumeln zu lassen und die Natur und Gemeinschaft zu genießen. Auch viele Heiratswillige wollen das in der Regel viertägige arbeitsfreie Osterfest nutzen, um sich das Ja-Wort zu geben. Doch ist eine Trauung an den hohen christlichen Feiertagen in den Kirchen und Standesämtern ohne weiteres möglich oder gibt es Einschränkungen, die Braut und Bräutigam in spe beachten sollten?


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Zwischen Trauer und Tanzverbot

Wer von einer kirchlichen, weißen Hochzeit an den Ostertagen träumt, muss es leider bei diesem Traum belassen. Denn noch bevor die Auferstehung Jesu gefeiert wird, wird in der vorherigen Karwoche den Leiden und der Kreuzigung und dem damit einhergehenden Tod von Jesus Christus gedacht. Das Wort „Kar“ in Karwoche leitet sich von althochdeutschen Wort „Kara“ ab und heißt so viel wie „Kummer“ oder „Trauer“. Die Karwoche, die von Palmsonntag (der Sonntag vor dem Osterfest) bis Karsamstag geht, wird auch als „stille Woche“ bezeichnet. Die Kirche trägt in diesen Tagen Trauer, sodass der Altar in der Regel abgedeckt ist, die Kirche nicht mit Blumen geschmückt wird und die Glocken nicht geläutet werden. Ebenso werden in dieser Woche keine Sakramente vergeben, sodass weder Taufen noch Hochzeiten stattfinden dürfen. Eine kirchliche Trauung ist daher in der Karwoche gänzlich ausgeschlossen. Aber auch die eigentlichen Ostertage, Ostersonntag und Ostermontag, an denen die Auferstehung Jesu gefeiert wird, werden nicht für Trauungen genutzt. Da die Auferstehung Jesu sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche zu den höchsten christlichen Feiertage zählt und dieses Fest auch entsprechend gebührend gefeiert wird, sind die Kirchen und Pastoren oder Pfarrer bereits mit zahlreichen Gottesdiensten vollständig ausgelastet.

Das Tanzverbot, welches in den letzten Jahren immer kontroverser diskutiert wird und sich in Niedersachsen von Gründonnerstag, 5 Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr erstreckt, betrifft übrigens lediglich öffentliche Tanzveranstaltungen. Öffentlich heißt in diesem Fall, dass keine Einladung an einen begrenzten Personenkreis ausgesprochen wurde. Private Hochzeitsfeiern fallen natürlich nicht unter diese Regelung, jedoch könnte es zu Problemen kommen, sollte eine Feier im Freien geplant sein und sich eventuelle Nachbarn durch Musik und Tanz in ihrer Einkehr gestört fühlen.

Wenn es also mit der kirchlichen Trauung nicht klappt, könnten Verliebte doch die standesamtliche Variante in Anspruch nehmen – leider ist es auch hier nicht so einfach. Nahezu alle Standesämter der Region haben am Karsamstag geschlossen, sodass auch hier keine Trauungen vorgenommen werden können.

Ja-Wort an Gründonnerstag – Grund zum Greinen?

Lediglich der Gründonnerstag als „Vorfeiertag“ steht für standesamtliche Trauungen zur Verfügung und wird auch gern von Brautpaaren „gebucht“. Der Name ist nicht von der Farbe grün hergeleitet, sondern vom althochdeutschen Wort „Greinen“, was soviel wie „winselnd“ und „weinend“ bedeutet und somit der Vorbote des anschließenden Karfreitags, dem Todestag Jesu, ist. Für eine Vermählung am Gründonnerstag sollte das Brautpaar abschätzen, wie religiös nicht nur es selber, sondern auch seine Hochzeitsgesellschaft ist. Für einige könnte es etwas anstößig anmuten, mit den Frischvermählten in den christlichen „Trauertag“ reinzufeiern. Außerdem besteht für Osterbrautpaare die Gefahr, dass viele Leute die freien Tage für einen Kurzurlaub nutzen und daher verhindert sind. Eine rechtzeitige Einladung ist daher unumgänglich.

Freie Tage, freie Trauung

Wer die Ostertage dennoch als besten Zeitpunkt für den Ringtausch erachtet, muss jetzt nicht alle Planungen über den Haufen werfen. Eine Lösung wäre hier die freie Trauung, die jedoch akribisch und mit ausreichend Vorlaufzeit geplant werden muss. Vorteil gegenüber einer standesamtlichen Hochzeit ist natürlich das Mehr an Individualität was die Hochzeitsrede und deren Inhalte als auch die Location angeht. Paare, die sich für eine freie Trauung entscheiden, sollte bedenken, dass diese keinerlei Rechtsgültigkeit besitzt und eine standesamtliche Hochzeit dennoch obligatorisch ist.

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